Kaffee wird teurer

Das hat ja gerade noch gefehlt!

In der Tat! Denn der Großteil des Kaffees, den man kaufen kann, ist viel zu billig! Wie bitteschön können 500 g gerösteter Kaffee teilweise weniger als 3 Euro im Angebot kosten, wenn es dafür die Pflege und Ernte eines gesamten Kaffeebaums einer Saison, sowie die Verarbeitung der Kaffeekirschen, den Transport aus der tropischen Region zu uns, das Rösten des Kaffees, Verpacken und den Verkauf benötigt, und obendrauf noch die Kaffeesteuer von über 1 € kommt?

Bevor ich mich der Preissteigerung widme, schauen wir erst mal ins letzte Jahr, als der Kaffeepreis massiv gefallen ist. So lässt sich im Anschluss die Preissteigerung der letzten Monate besser einordnen.

Warum sank der Kaffeepreis 2018 und 2019 dramatisch?

Einen festen Rohkaffeepreis gibt es nicht. Er variiert je nach Varietät und Qualität. Verkauft wird er meist über Verträge, deren Ausführungszeitpunkt und Kosten vorab festgelegt werden (Futures). Der Preis schwankt dabei sehr stark und hängt neben den Laufzeiten, vor allem von Wetter- und Erntebedingungen sowie Lagerbeständen ab.

Schon in den letzten Jahren litten die Kaffeeproduzenten unter dem Preisverfall von Kaffee. Viele Kaffeebauern versuchten, unter dem Preisdruck ihren Ertrag zu steigern. Das führte zu immer größeren Monokulturen, ausgelaugten Böden, immer niedrigeren Löhnen und teilweise sogar Kinderarbeit. Besonders der größte Kaffeeproduzent der Welt, Brasilien, mit einem Marktanteil von fast 40 %, drückte die niedrigen Weltmarktpreise durch gute Ernten und Lagerbestände und die niedrigen Löhne der Plantagenarbeiter.

Zwischen dem Allzeithoch von 300 US-Cent im Jahr 2011 und Mai 2019 brach der Preis für 1 US Pfund Rohkaffee um 67 % ein! Da freute sich sicherlich der bei Aldi einkaufende Pfennigfuchser.

Einige Farmer aus Brasilien, Guatemala oder Kolumbien mussten den Kaffeeanbau deshalb aber aufgeben. Denn der Verkaufspreis lag inzwischen unter den Produktionskosten. Bis Oktober 2019 blieben die festgelegten Abnehmerpreise so tief im Keller, dass sogar Starbucks seine Lieferanten, die vor allem in Mexiko, El Salvador, Guatemala und Nicaragua sitzen, mit einer Sonderzahlung von 20 Mio. USD unterstützte, um sie nicht zu verlieren.

Wallstreet Kaffeepreisentwicklung 2017-2020

Warum stieg der Kaffeepreis vor einigen Monaten so sprunghaft an?

Im Oktober 2019 kam es zum Wechsel. Die brasilianische Prognosebehörde Conab rechnete aufgrund zu kühler Temperaturen und zu geringen Niederschlägen mit einem Ernteminus von 27 % für Arabica-Kaffee. Zusammen mit der recht guten Robusta-Kaffee Ernte in Vietnam prognostizieren Banken für 2020 unter dem Strich trotzdem ein Minus von 0,9 % bis 2,82 %. Dazu kommt, dass einige brasilianische Kaffeebauern umdenken und Ihre Produktion von Massenproduktion auf kleinere Mengen Qualitätskaffee umstellen, für die sie bessere Preise erhalten.

Die Akteure an den Kaffeemärkten – von Produzenten über Aufkäufer, Händler und Röster bis zu Spekulanten reagierten. Aktuell hat sich der Preis wieder auf 132,5 US-Cent beruhigt. Ob und wie viel von den steigenden Kaffeepreisen bei den Produzenten hängen bleibt, ist unklar. Denn die Bauern erhalten bei konventionellem Kaffee nur ca. 6 % davon. Der Löwenanteil von mindestens 2/3 teilen sich der Transporteur, der Röster und der Einzelhandel. Direkt Importeure und Röstereien zahlen einen weit besseren Preis an die Bauen. Wenn Ihr also wirklich guten Kaffee trinken wollt, bei dem auch die Erzeuger wirklich fair für Ihre Arbeit entlohnt werden, solltet ihr euren Kaffee bei der Rösterei um die Ecke kaufen, und nicht bei Nespresso, Starbucks, Aldi, Tchibo und Co. … selbst wenn fair trade auf der Verpackung steht. Richtig deutlich wird der Unterschied auf der Grafik von Quijote Kaffee, einer Direktimport-Rösterei aus Hamburg.

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