Aromatisierter Kaffee

Entweder man mag ihn oder nicht.

Wie immer ist alles Geschmackssache. Als ich mit Anfang 20 angefangen habe, ab und zu Kaffee zu trinken, musste es aber bitte mit Zucker oder gleich mit irgendeinen fancy Sirup und viel Milchschaum sein. Wie das auch beim Wein oder anderen Leckereien der Fall ist, entwickelt sich der Geschmack. Inzwischen trinke ich gerne Espresso, ohne Zucker und Sirup 😉 So kann man aromatisierte Kaffees vielleicht als Einsteigerkaffee sehen oder für Leute, die etwas geschmackliche Abwechslung suchen. Denn hier werden die natürlichen Aromen des Kaffees mit Aromen wie Haselnuss, Schokolade und Kokos angereichert. Böse Zungen mögen behaupten, Röstereien, die solchen Kaffee anbieten, wollen damit nur die schlechte Rohkaffee-Qualität und damit unschöne Röstaromen des Naturproduktes übertünchen. Das allerdings bezweifel ich, denn auch Röstereien von Spezialitätenkaffee bieten aromatisierte Kaffees an. Preisgekrönte Kaffees oder Cup Of Excellence Gewinnerkaffees werden es dann aber mit Sicherheit auch nicht sein 😉

 

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Herstellung

Als ich letztes Jahr in Griechenland war, konnte ich nicht widerstehen und habe mir bei Coffee Island zwei unterschiedlich aromatisierte Filterkaffees mitgenommen – French Caramel und Amaretto. Der Kaffee ist ein medium gerösteter Blend aus 80% Arabica und 20% Robusta Kaffee aus Brasilien, Kolumbien und Äthiopien bzw. Indien. Nach dem normalen Rösten wird auf die Bohnen ein Aromaöl gegeben und vermischt oder die Bohnen werden darin gewälzt. Die Bohnen können durch die Aromatisierung entsprechend leicht ölig aussehen.

Besonders bei bereits gemahlenem Kaffee können aber auch gemahlene Gewürze wie Zimt zugesetzt sein. Das ist aber nicht unbedingt ein Qualiätsmerkmal. Oft sind aromatisierte Kaffees, die nur gemahlen erhältlich sind, deutlich günstiger. Welche Qualität die Bohnen haben, lässt sich so schlecht nachvollziehen, besonders wenn auch Angaben dazu auf der Verpackung fehlen. Also lieber beim kleinen Röster um die Ecke nachfragen.

Hinweise zum Aroma

Schaut auf jeden Fall auf die Zutatenliste, wenn ihr aromatisierten Kaffee kauft. Hier steht oft: Röstkaffee, Aroma oder natürliches Aroma oder z. B. natürliches Vanillearoma. Was sich dahinter verbirgt, habe ich euch mal kurz zusammengeschrieben.

Natürliches Aroma: Bei der Aromaherstellung kommen nur Rohstoffe zum Einsatz, die in der Natur vorhanden sind. Das Aroma muss aber nicht aus dem Namensgeber extrahiert oder destilliert werden. Für die Herstellung von natürlichen Aromen werden z. B. Hölzer, Zellkulturen, Schimmelpilze oder Bakterien genutzt. Für ein Aroma nach Himbeere werden meist Zedernholzsägespäne destilliert. Nur wenn auf der Verpackung eine Quelle genannt wird, wie natürliches Himbeeraroma, dann muss das Aroma zu mindestens 95 % aus eben Himbeeren stammen. Die übrigen 5 % können aus anderen Ausgangsstoffen wie den Sägespänen gewonnen werden. Steht auf der Zutatenliste nur natürliches Aroma wurde das Aroma wahrscheinlich nicht aus Himbeeren gewonnen.

Naturidentisches Aroma: Wenn nur „Aroma“ auf der Verpackung steht, handelt es sich um naturidentische Aromastoffe, die mithilfe chemischer Verfahren im Labor hergestellt wurden. Hier analysieren Chemiker die Zusammensetzung der echten Aromen und bauen sie vereinfacht im Labor nach. So wird z.B. naturidentisches Vanillin oft mit Hilfe von Mikroorganismen hergestellt, die aus Nelkenöl stammen.

Tipp zum Mahlen:

Um ein Verkleben des Mahlwerkes zu verhindern, sollten aromatisierte Kaffees nicht über längere Zeit in der Mühle verwendet werden bzw. öfter als sonst gereinigt werden, besonders bevor man einen anderen Kaffee in die Mühle gibt, da der ansonsten das Aroma seines aromatisierten Vorgängers annimmt.

Test

Natürlich habe ich beide Sorten getestet, sowohl als Espresso als auch als Filterkaffee. Wie stark der Eigengeschmack des Kaffees zur Geltung kommt bzw. vom zugesetzten Aroma überdeckt wird, kommt sehr auf die Rösterei, Geschmacksrichtung und die Kaffeequalität an. Bei meinen beiden getesteten Kaffees von der griechischen Rösterei Coffee Island, riecht man das Aroma schon vor dem Mahlen der Bohnen – bei French Caramel noch deutlicher als bei Amaretto. Das intensiviert sich nach dem Mahlen und ist auch nach dem Brühen deutlich zu schmecken. Selbst die Küche riecht recht lecker nach dem aromatisierten Kaffee.

Eine Tasse davon ist mal eine nette Abwechslung. Täglich würde ich ihn allerdings nicht trinken wollen. Ich bevorzuge dann doch eher die natürliche Aromavielfalt, die die unterschiedlichen Kaffees dieser Welt mit sich bringen. Für alle Leckermäulchen habe ich trotzdem einen Tipp für den Sommer: aromatisierter Kaffee im Eisbecher mit Vanille- oder Nusseis oder gleich als Eiskaffee.

In den USA wird aromatisierter Kaffee übrigens gerne als kalorienarme Nachspeise gereicht.

☕ Zubereitung als Filterkaffee

Wenn ihr ganze Bohnen kauft, sollte der Mahlgrad an euren Filter angepasst sein. Hier eine grobe Richtlinie.

  • Baumwollfilter: 6
  • Papierfilter: 7
  • Metallfilter: 9

Auf 1l Wasser sollten 60 g gemahlener Kaffee kommen, oder einfach 1,5 EL pro Tasse Kaffee.

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