Kaffeetour Dresden

Von klassisch bis modern.

Wie der Zufall es wollte, war ich letztes Wochenende spontan in Dresden und hatte ein paar Stunden Zeit, mich durch die Stadt zu schlürfen.

Zur Hand hatte ich den neuen Coffee Guide der Crema und war dann doch erstaunt, dass einige Cafés und Röstereien weder Samstag noch Sonntag geöffnet haben. Entsprechend einfach fiel dann aber die Entscheidung wohin.

Tanteleuk

Louisenstraße 24, 01099 Dresden

Als Erstes ging es zu Tanteleuk im angesagten Szeneviertel – äußere Neustadt. Ich brauchte unbedingt ein spätes Frühstück und habe es auf die Bagels abgesehen. Hier gibt es aber auch eine verdammt große Auswahl an Torten, bei denen einem schon beim Anblick in den Vitrinen das Wasser im Mund zusammenläuft. Um mich für einen Kaffee zu entscheiden, brauchte ich ein wenig Zeit, denn hier gibt es 14 unterschiedliche Kaffeezubereitungen im Angebot: von den Klassikern Espresso, Milchkaffee, Cappuccino und Co., die allesamt mit Sagafredo Bohnen zubereitet werden, bis zu handgebrühtem Chemex Kaffee von Coffee Circle. Nehm‘ ich! Schließlich habe selber keine zu Hause. Jetzt musste ich mich nur noch für einen der 5 Coffee Circle Kaffees entscheiden – ganz klar Kivu aus dem Kongo. Dazu ein Bagel und einen Stachelbeerlimo. Die Einrichtung im Tanteleuk ist gemütlich. An der Wand sind Tiermotivfliesen, die Bänke kommen direkt aus einer Turnhalle, Stühle und Tische sind aus Holz und dazu ist die Beleuchtung angenehm warm. Beim Kaffeebrühen darf ich zuschauen und das Essen und die Getränke kommen auf zusammengewürfeltem schönem alten Porzellan. Der Kaffee schmeckt hervorragend, das Personal ist superlieb und gastfreundlich. Dass der Laden voll ist, verwundert mich nicht. Schaut unbedingt vorbei!

Phoenix Coffee Roasters

Bautzner Str. 75, 01099 Dresden

Das Wetter ist nicht sehr gemütlich. Zum Glück ist die nächste Kaffeerösterei gleich um die Ecke. Als ich rein komme, verlässt eine Männergruppe gerade den Laden und ich habe Röster Frederick ganz für mich allein. Ich freu mich jetzt schon aufs Gespräch, denn die Phoenix Coffee Roasters gibt es seit 2006 und gehören damit zu den deutschen Pionieren der Third Wave, die Specialty Coffee rösten. Zur Auswahl stehen 6 Kaffees aus Panama, Costa Rica, Brasilien und El Salvador. Die Hälfte der Kaffees gibt es als Filterrösterung – die andere als Espressoröstung. Jeweils einer hell, mittel und dunkel geröstet. Frederick verrät mir gleich, dass die mittle Röstung eher Richtung hell geht. Auch wenn ich es lieber kräftiger mag, versuche ich mein Glück und bestelle einen Espresso mit dem mittelstark gerösteten Kaffee aus Costa Rica. Lecker aber für mich noch zu säurebetont als Espresso. Also gibt es den dunkel gerösteten Brasilianer aus der La Marzocco Siebträgermaschine gleich hinterher. Der würde sich mit seinen dunklen schokoladigen Noten dann sicher auch für Cappuccino, Flatwhite und Co. eignen. Coole kleine Rösterei, in der man nicht nur seine Bohnen kaufen kann, sondern ganz fantastisch über Kaffee sinnieren kann. Austrinken ist aber nicht – ich möchte ja noch ohne Vorkammerflimmern weiter – und zwar in das Partnercafé Oswaldz, die ihren Kaffee von den Phoenix Coffee Roasters beziehen. Hier soll es heute Abend auch eine Vernissage geben.

 

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Oswaldz

Bautzner Straße 9, 01099 Dresden

Ich laufe die Straße herunter und auch das Oswaldz scheint hier ein sehr beliebtes Café zu sein. Tische sind nicht mehr frei, aber an der Brew Bar ist es eh viel spannender allein. Bevor ich mir den Kaffee aussuche, ist meine Entscheidung bzgl. des Kuchens schon gefällt – Blaubeer-Tarte. Bei den Kaffeespezialitäten gibt es wieder eine große Auswahl an Espresso basierten Kaffeespezialitäten wie Flat White, Gibraltar und Mochaccino. An der Brew Bar bekommt man aber auch handgefilterten Kaffee. Ich hatte schon länger keinen Galão. Der Kaffee schmeckt super, der Milchschaum ist perfekt geschäumt und verziert und das Café hat ein tolles Wohlfühlambiente. Das Personal haut mich leider nicht so vom Hocker – freundlich und nett aber ziemlich unbegeistert. Ich freue mich aber sehr Frederick noch mal kurz zu sehen und mache mich dann auf den Rückweg über die Carolabrücke in die Innere Altstadt. Das war genug leckerer Kaffee für einen Tag 😉

Dresdner Kaffeestübchen

Tag 2. Den Dallmayr Kaffee aus dem Automaten habe ich beim Frühstück im Hotel einfach mal weggelassen. Zum Glück gibt es dann nach einem kleinen Sightseeing Spatziergang gleich um die Ecke der Frauenkirche den ersten Kaffee des Tages im Dresdener Kaffeestübchen. War gestern alles sehr hipp, gibt es hier Kaffee wie damals – nur in gut. Ich bestelle ein Dresdener Gedeck und bekomme ein großes Stück verdammt leckerere Eierschecke, einer Tasse Kaffee Crème und ein Gläschen Dresdner Kaffeelikör nach alter Familienrezeptur. Der hauseigene Kaffeeblend wird von der Rösterei Kaffanero geröstet und schmeckt schön kräftig und vollmundig. Das tröstet mich, denn der Rösterei hätte ich auch gerne einen Besuch abgestattet – die hat sonntags allerdings zu. Das Dresdner Kaffeestübchen – ist in der Tat nur ein Stübchen für nur wenige Gäste. Entsprechend kann man mit dem Barista direkt vom Tisch aus reden und das Sammelsurium an den Wänden bestaunen oder sich sogar selbst verewigen.

 

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Anamit

Bevor es wieder nach Berlin geht, gibt es noch Mittag beim Vietnamesen. Eine Tafel draußen verspricht, es gibt Cà phê trứng. Ich bin jetzt schon Fan – rein da. Die Einrichtung ist der Hammer – man fühlt sich direkt wie in Hanoi in einem Straßencafé. Nach Sommerrollen und Phở Suppe gibt es zum Nachtisch definitiv Klebreis mit Mango und Kokossoße. Nur finde ich den Cà phê trứng nicht mehr auf der Karte. Das liegt leider daran, dass der Kaffee noch zu experimentell für das Publikum ist. Schade – also heute kein Eigelb im Kaffee. Dafür gibt es vier weitere vietnamesische Kaffeespezialitäten zur Auswahl:

  • Cà phê đen nóng – heißer schwarzer Kaffee
  • Cà phê sữa nóng – heißer Kaffee mit gesüßter Kondensmilch
  • Cà phê đen đá – geeister schwarzer Kaffee
  • Cà phê sữa đá – geeister Kaffee mit gesüßter Kondensmilch

Der Letzte wird es und hält mich so kräftig wie er ist sicher den ganzen Tag wach. Mit dem Nachtisch eine superleckere Kombination. Das Anamit ist eine echte Empfehlung. Das Essen ist frisch und sehr lecker, das Personal ist top und wer kulturell auch mal beim Kaffee experimentieren möchte, ist hier genau richtig.

Also ich bin in Dresden voll auf meine Kosten gekommen und komme gerne auch wieder zum Kaffeetrinken. Dann vielleicht mal unter der Woche, um auch andere Coffeeshops und Cafés zu testen.

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