White Coffee – Kaffeetrend 2021?

Trend oder Tradition?

Es scheint so, als ob neue Kaffee Trends nie neu sind. Wer erinnert sich noch an Dalgona coffee? Ein Trend, der letztes Jahr aus Südkorea kam, in Indien aber schon längst als Zubereitung alltäglich war. Dieses Jahr soll der White Coffee aus den USA die Kaffeeszene aufmischen. Nur gibt es White Coffee bereits in Malaysia, im Libanon, im Jemen und in Indonesien. In Malaysia wird der Kaffee dazu mit Margarine geröstet. Im Libanon handelt es sich dabei gar nicht um Kaffee, sondern um heißes Wasser, das mit Orangenblütenwasser, Zitronenschale und Kardamom parfümiert wird. Im Jemen ist es ein Kaffeekirschentee mit Gewürzen. Und in Indonesien ist White Coffee Kaffee aus Bohnen, die kürzer und weniger heiß geröstet werden. Genau das ist der neue Trend aus den USA.

Die Herstellung

Wer schon einmal gesehen hat, wie Kaffee geröstet wird oder sogar selbst Kaffee röstet, weiß, dass rohe Kaffeebohnen grün sind. Normalerweise werden die Bohnen bis zu 20 min. entweder bei bis zu 800 °C bei Industriekaffee und bis zu 200 °C bei Spezialitätenkaffee geröstet. Beim Rösten verdampft zunächst das Wasser aus den grünen Bohnen. Anschließend färben sie sich gelb und dann karamellfarben, bevor es zum sogenannten First Crack kommt. Von da an werden die Bohnen immer dunkelbrauner. Je nach Röstgrad ist der Kaffee vor oder nach dem Second Crack fertig und wird anschließend an der Luft abgekühlt.

Um weißen Kaffee zu erhalten, werden die Bohnen bei nur ca. 160 °C für die Hälfte der Zeit geröstet. Das Rösten ist beim sogenannten „Yellowing“ vor dem ersten Crack beendet. Gelber Kaffee klingt aber offensichtlich nicht so lecker wie weißer Kaffee 😉

Durch die kürzere Röstzeit wird der natürliche Zucker in den Kaffeebohnen nicht karamellisiert, wodurch der Kaffee weniger bitter wird. Auch enthält der Kaffee bis zu 50% mehr Koffein und Chlorogensäuren, da diese erst bei einer längeren Röstzeit abgebaut werden.

Zubereitung

Wie schon bei grünem Kaffee sollte man weiße Kaffeebohnen nicht mit seiner Kaffeemühle zu Hause mahlen, da die Bohnen viel zu hart sind und das Mahlwerk beschädigen würden. Also am besten schon gemahlen kaufen oder ab in den Mörser oder einen Personal Blender.

Üblicherweise wird weißer Kaffee als Espresso zubereitet. Das Ergebnis ist weit entfernt von einem braunen Espresso mit Crema – der Kaffee sieht eher aus wie gelber Tee, schmeckt nussig, weich und hat eine saure Note. Wer das nicht mag, kann den zweiten Aufguss verwenden. Wer seinen typischen Kaffeegeschmack vermisst, sollte mal eine Kombination aus „normal“ geröstetem Kaffee und dem weißen Kaffee probieren.

Das musste ich natürlich probieren. Da es den Kaffee hier nicht zu kaufen gibt, habe ich kolumbianischen Rohkaffee, den ich noch im Schrank hatte, in meinem Ofen nach Anleitung geröstet. Die hellgelblichen Bohnen riechen für meine Nase fast wie die rohen Bohnen nach Erbsen. Zum Glück änderte sich der Geruch nach dem Mahlen und bekam tatsächlich etwas sehr Nussiges. Jetzt war ich tatsächlich gespannt auf den Geschmack. Als Erstes habe ich es als türkischen Kaffee probiert. Das sah spektakulär in der Cezve mit dem hellen Schaum aus. Der verschwand aber leider fast komplett beim Eingießen in die Tasse. Zurück blieb ein grün-gelbliches Getränk, was mir überhaupt nicht schmecken wollte.

Also rein in die Bialetti und als Espresso probiert. Auch hier keine Crema und der gleiche merkwürdige Geschmack. Selbst als Cappuccino wurde es nicht lecker. Mein letzter Versuch war dann also die Kombination von Espresso-Bohnen und weißem Kaffee im Verhältnis 2:1 für einen Espresso zu mischen. Ja, schmeckte schon besser, aber lecker ist halt nur ohne diese „unterrösteten“ Kaffeebohnen!

Ob es diese sehr spezielle Kaffeeröstung dieses Jahr noch über den großen Teich schafft, bezweifle ich. Aber wer gerne etwas experimentiert, der wird mit diesem Trend geschmacklich auf jeden Fall etwas sehr Spezielles erleben – und gesund soll es auch sein 😉 Auf meine Favoritenliste schafft es der White Coffee nicht. Ich freue mich aber auf eure Kommentare und hoffe ihr konntet auch schon Erfahrungen mit dem Kaffee sammeln.

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