Gehen Kaffeeverpackungen auch nachhaltig?

Über was man sich so alles Gedanken machen sollte… Da hat man endlich ein gutes Gewissen, seinen Fair Trade bio Kaffee ohne Aluminium Kapsel im Becher zu haben. Da soll man sich jetzt auch noch Gedanken um die Verpackung der Bohnen machen? Ja, leider!

Zugegeben, man kann sich die Verpackung seiner Lieblingsbohnen beim Röster des Vertrauens noch nicht aussuchen. Aber vielleicht findet ihr ja einen tollen Kaffee, der beides kann. Oder ihr fragt euren Röster, ob er nicht auch Bock hat, auf umweltbewusstere Verpackungen umzusteigen. Ich habe mich für euch durch die Welt der Kaffeeverpackungen recherchiert und euch in dem Artikel aufgelistet, welche Vor- und Nachteile die Materialien haben und welche sowohl gut für die Bohnen als auch für die Umwelt sind.

Warum ist eine Verpackung überhaupt so wichtig?

Gerösteter Kaffee kann bis zu tausend unterschiedliche Aromakomponenten beinhalten. Direkt nach dem Röstvorgang gasen die Bohnen sogenannte Röstgase aus. So entwickelt sich der perfekte Kaffeegeschmack erst 2-3 Tage nach dem Rösten. Das ist der Grund, warum viele Kaffeeverpackungen ein Aromaventil haben. So können diese Gase entweichen, aber keine Luft hinein. Denn dadurch würden die Kaffeebohnen oxidieren und schon nach 4-6 Wochen viele der flüchtigen Aromen verlieren. Gemahlener Kaffee ist noch empfindlicher. Deshalb wird dieser oft vakuumiert verpackt. Die folgenden gängigen Verpackungen habe ich für euch also in Bezug auf Umweltverträglichkeit und langes Kaffeearoma bewertet. Wer es ganz genau wissen will, kann sich auch das auf die Verpackung aufgebrachte Label anschauen. Für meinen Artikel habe ich das aber nicht berücksichtigt.

Beutel aus Aluminium oder Aluverbund

+ Aroma | Umwelt –

Nach wie vor wird ein Großteil des Kaffees, besonders der gemahlene Supermarktkaffee, in solchen Folien verpackt. Diese Folien sind ein Verbundstoff, meist aus PET und PE-Kunststoffen und Aluminium. Sie bieten einen hervorragenden Schutz für das Kaffeearoma. Aluminium belastet aber die Umwelt durch den großen Energieraufwand bei der Verarbeitung und den oftmals umweltschädlichen Abbau. Da diese Folien auch noch ein Verbundstoff sind, lassen sie sich kaum recyceln. Finger weg – die Kaffeeverpackung sollte 100 % aluminiumfrei sein!

Beutel aus PET oder PE-Folie

+ Aroma | Umwelt –

Polyethylenterephthalat (PET) und Polyethylen (PE) bestehen zu 100 % aus Erdöl oder Erdgas und enthalten keine Weichmacher. Beide Kunststoffe sind beständig gegen das Kaffeeöl und und haben eine sehr geringe Durchlässigkeit für Aromen, Gerüche und Gase und schützen die Kaffeebohnen sehr gut. Auch wenn man PET Folien komplett zu Fleecejacken recyceln kann, landet der Großteil in der Umwelt und braucht dort ca. 450 Jahre bis er abgebaut wird.

Kraftpapiertüten

+ Aroma | Umwelt –

Der Wolf im Ökopelz. Die meisten Papiertüten sind innen mit PE oder PET beschichtet. Natürlich behält der Kaffee in solchen Verpackungen lange sein Aroma. Das liegt aber ganz sicher nicht am Papier. Die Öko-Bilanz von solchen Tüten ist sogar schlechter als die von reinen PE oder PET Beuteln, da es sich um einen Verbundstoff handelt. Kleine Anekdote am Rand: Tatsächlich habe ich aber vor einigen Jahren bei einem Röster in Berlin meinen frisch gemahlenen Mokka in einer dünnen gefalteten Papiertüte bekommen und dann zu Hause schnell in meine Kaffeedose umgefüllt. Im Auto roch es noch eine Woche nach Mokka 🙂

Kompostierbare Kraftpapiertüten mit PLA

– Aroma | Umwelt +

Ganz schön schwer zu unterscheiden, denn es gibt es auch Kraftpapiertüten, die kompostierbar sind. Innen ist das Papier PLA beschichtet. PLA ist eine zu 100 % biologisch basierende Plastik, die aus Mais- und Zuckerstärke hergestellt wird. Hier ist selbst der Druckverschluss aus PLA. Die Tüte samt Aufdruck und Klebstoff kann in den Biomüll oder auf den Kompost. Einen Abzugspunkt gibt es bei dieser Art der Verpackung trotzdem, denn PLA hält den Kaffee nicht so lange frisch wie PE und PET. Wer aber frisch gerösteten Kaffee innerhalb von 2 Wochen aufbraucht, kann das volle Kaffeearoma genießen. Es gibt immer wieder Stimmen, die sagen, es gibt aktuell noch keine kompostierbaren, sondern nur biologisch abbaubaren Kaffeetüten – ich habe es selbst leider noch nicht probiert. Es gibt jedoch EU-Normen, was sich kompostierbar oder nur biologisch abbaubar nennen darf. Außerdem kann man hier die Diskussion aufmachen, ob es sinnvoll ist, aus essbaren Rohstoffen Verpackungen herzustellen. Solange in der EU aber die Hälfte der Ernte direkt wieder unter der Erde landet, weil die Früchte nicht der festgelegten Norm entsprechen, schließe ich diese Diskussion hiermit sofort wieder 😉

Glasflaschen

+ Aroma | Umwelt +

Ich habe mich schon eine Zeit lang gefragt, ob Kaffee im Glas funktioniert. Erfreulicherweise durfte ich erfahren, ja! Es gibt inzwischen von einigen wenigen Röstern Kaffee in Glasflaschen – entweder für den Altglascontainer, Refill oder als Mehrwegflasche. Im Deckel haben einige sogar ein Aromaventil integriert, sodass die Bohnen in Ruhe nach dem Rösten ausgasen und ihr Aroma entwickeln können. Glas-Mehrwegflaschen können bis zu 50x wiederbefüllt werden. Sie lassen sich am besten recyceln, da sie selbst als Rohstoff zur Neuherstellung verwendet werden. Außerdem sind Glasflaschen geschmacksneutral und sondern keine Chemikalien ab. Kaffeebohnen sind jedoch lichtempfindlich und können ihre Aromen durch hohe Lichteinstrahlung oder eine undichte Versiegelung verlieren. Greift also lieber zu Braunglas, auch wenn klares Glas stylischer aussieht.

Die Glasflasche ist definitiv mein Verpackungsfavorit. Ich hoffe, es gibt bald mehr davon. Hier die ersten Spezialitäten Kaffeebohnen, die ich zum Thema gefunden habe, die ersten drei durfte ich sogar selbst testen. Hier stimmt nicht nur die Verpackung – Lecker!

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