Tuburan Coffee – Besuch auf einer Kaffeeplantage auf den Philippinen

Nachhaltiger Kaffeeanbau auf Cebu

Wenn das Ende des Winters in Deutschland immer noch in weiter Ferne ist, treibt es mich in die Ferne. Dieses Jahr ging es gen Osten. Erst nach Thailand auf ein paar Inseln zum Relaxen und im Anschluss auf die Philippinen. Die Flüge nach Cebu waren schon gebucht, da finde ich heraus, dass genau in der Zeit in Manila das erste Kaffee Festival vom 7.-9. März stattfindet. Also buchte ich 2 weitere Flüge. Da die Philippinen nicht für ihren hervorragenden Kaffee bekannt sind, war ich mehr als angenehm überrascht, dass die Kaffeeszene auf den Philippinen neuen Schwung hat. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema und am Stand von The Coffee Heritage Project erfahre ich mehr zur Kaffeetradition des Landes und wie sie beides miteinander kombinieren wollen. Das trifft genau meinen Nerv. Mit Kaffeebohnen von Candid Coffee und Blue Wonder Coffee verlasse ich das Festival und verliebe mich direkt in die erste Tasse Kaffee von Candid Coffee – Single Origin Typica Kaffeebohnen von Mount Kalatungan aus dem Süden der Philippinen. Vollmundig, schokoladig mit fruchtigen Noten von Erdbeere und Guave! Ich kann es kaum abwarten, hier auf Cebu die Kaffeeplantage von Tuburan Coffee zu besuchen.

 

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Tuburan Coffee

In der Region wird seit 2011 auf 88 Hektar Robusta Kaffee auf rund 800m Höhe von 65 Farmern und Arbeitern kultiviert. Hier ist es schlichtweg zu flach für Arabicapflanzen. Die ersten 30.000 Setzlinge kamen ausgerechnet von Nestlé. Schaut man sich an, wie Nestlés Instant Kaffee den philippinischen Markt beherrscht, ist das leider kein Wunder. Die Region hat aber große Pläne und möchte zum führenden Produzenten von biologisch angebautem Kaffee werden und somit die Armut in der Region reduzieren. Was ich persönlich sehr schön finde – hier wird der Kaffee nicht nur angebaut und für den Export als Rohkaffee aufbereitet, sondern auch geröstet. Das schafft nicht nur Jobs, sondern macht die Bauern unabhängig und das gesamte Geld für die Produktion von Kaffee bleibt in den Philippinen. Nicht selbstverständlich, denn viele Kaffeebauern weltweit produzieren lediglich Ihren Rohkaffee, der von großen internationalen Konzernen zu Dumpingpreisen exportiert wird, um dann den Großteil der Erlöse nach dem Rösten in die eigene Tasche zu wirtschaften.

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Mein Besuch auf der Plantage

Endlich ist der Tag gekommen. Es geht früh los, denn uns erwartet laut Google Maps eine 2-stündige Rollerfahrt nach Tuburan. Bis kurz vor dem Ziel lief alles bestens. Wir waren auf dem letzten Stück wahrscheinlich sogar die Ersten, die auf einer frisch geteerten Straße durch die grünen Berge gerauscht sind. Der Maps Eintrag war nur leider nicht korrekt. Also fragten wir uns bei den Einwohnern der kleinen Dörfchen durch. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet anzukommen. Zum Glück stoppten wir irgendwann mitten auf der Straße einen jungen Philippino auf seinem Motorrad, der uns über nicht auf irgendwelchen Karten verzeichneten Schotterpisten, 50 cm breite kleine Wege und über 1 km durch ein Flussbett ans Ziel brachte. Dass der Roller nicht die Grätsche gemacht hat, ist ein Wunder! Mit 1,5 Stunden Verspätung kommen wir zur Mittagspause an. Die ist auf den Philippinen heilig. Entsprechend gibt es kein Empfangskomitee in der prallen Mittagssonne bei 33°C. Wir erkunden also auf eigene Faust die kleine Plantage. Es geht direkt quer durch die Baumschule, wo Kaffeepflanzen unterschiedlichen Alters dicht an dicht in der prallen Sonne stehen. Und ich dachte, Kaffeepflanzen sind Schattengewächse… Auf jeden Fall sehen die kleinen Pflanzen knackig grün und gesund aus. Die Treppen hinauf geht es zum Hauptgebäude vorbei an Kaffeekirschen, die auf African Dry Beds in der prallen Sonne ca. 1 Woche trocknen. Oben angekommen landet man direkt im Verkostungs- und Verkaufsraum. In einem weiteren Zimmer steht der kleine Röster der Farm.

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Die Mittagspause ist vorbei und es kommt etwas Schwung in den Laden. Wir tragen uns in ein Gästebuch ein und bekommen direkt einen 100% lokalen dunkel gerösteten biologisch angebauten Kaffee angeboten. Nicht ganz mein Geschmack. Aber mit etwas Zucker wird es besser. Da der Kaffee aber aus einer Thermoskanne kommt, liegt es vielleicht nur daran. Ich nehme auf jeden Fall ein 125-g-Päckchen frisch gerösteten und gemahlenen Kaffee für 120 Pesos mit – ganze Bohnen gibt es gerade leider nicht.

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Dann laufen wir mit unserem Guide auf die Farm. Die Ernte ist leider gerade fertig. Es gibt aber zum Glück noch einige Pflanzen, an denen die letzten roten Kirschen nur darauf warten, dass ich Sie probiere. Gleichzeitig gibt es aber auch junge Pflanzen, die gerade in Blüte stehen und nach Jasmin duften und Ältere, die schon ein paar grüne Kaffeekirschen tragen. Geerntet wird hier tatsächlich 1x im Quartal. Aber die einzige Beschäftigung auf dem Feld ist hier aktuell die Bewässerung der Pflanzen. Trotz einiger Kokospalmen und Bananenstauden, stehen die meisten Pflanzen in der prallen Sonne und brauchen entsprechend ganz schön viel Wasser. Die Männer und Frauen wässern die Pflanzen hier mit Gießkannen. Puh! Ganz schön viel Arbeit! Die geht aber natürlich bei dem geernteten Kaffee mit der trockenen Aufbereitung, dem Schälen, Säubern und der Beurteilung (Grading) und rösten weiter.

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Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, freut es mich zu erfahren, dass Tuburan Coffee inzwischen nicht mehr zu Nestlé gehört, sondern unabhängig ist. Auch wenn die Farmer hier wirklich nicht viel haben, scheint die Farm ein gutes Projekt für die Region zu sein.

Wer die Kaffeeplantage gerne besuchen möchte, fahrt über die Küstenstadt Tuburan. Der Weg führt einen auch durch die Berge aber auf befestigten Straßen und man überquert nur ein paar Meter Flussbett, was komplett trocken war, als wir es auf unserem Rückweg durchquert haben. Hier kommt man nicht nur mit dem Motorrad gut voran, sondern auch mit einem SUV.

☕ Kaffee

Wer Lust bekommen hat und den Kaffee gerne probieren möchte, kann ihn sogar online bestellen. Leider bisher nur innerhalb der Philippinen. Ich habe mir deshalb mal etwas Vorrat mitgenommen.

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Und mit dem Ausblick lässt sich so ein Blogbeitrag umso besser schreiben.

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