Espresso des Jahres

Ich durfte testen und abstimmen!

Es war alles für den Urlaub gepackt und wir wollten gerade los, da steckt die Postbotin das neueste Heft des crema Magazins in meinen Briefkasten. Perfektes Timing, denn als Beifahrer hat man bei einem Roadtrip durch Europa Zeit im Überfluss. Auf Seite 26 angekommen, bin ich auch schon beim Top Thema der Ausgabe: Espresso des Jahres 2020 – Leserwahl crema. Die ersten 150 crema Leser, die sich melden, dürfen teilnehmen. Die letzten Jahre war ich immer zu spät. Das sollte diesmal endlich anders sein. Ich habe das Paket mit den sechs bestplatzierten Espressi der letzten 12 Monate aus der crema Rubrik „Bohnen, die lohnen“ für 35€, zzgl. Versandkosten bestellt und darf über den besten Espresso 2020 abstimmen. Allein die Beschreibung der Kaffees, wie: Kolumbianische Kaffeebohnen – eine Erdbeerexplosion mit einem Hauch von Cassis und einem süßen Abgang mit etwas Vanille; oder voller Körper mit Blutorange, Jasmin und etwas Himbeere, gefolgt von Schokolade und Praline – ließen meinem Freund und mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Während also andere eher traurig auf das Ende ihres Urlaubs blicken, war ich voller Vorfreude auf 6 x 250 g Espresso Vergnügen. Die Espressomaschine, der Bewertungsbogen und Stift lagen bereit: denn jeder Kaffee sollte für die Kriterien: Aussehen der Bohnen, Sensorik der Bohnen, Espresso Crema, Espresso Sensorik, Espresso Aromen und Espresso Geschmack mit Punkten zwischen 1 (Plörre) und 10 (so einen Kaffee kann nur der liebe Gott selbst schaffen) bewertet werden.

Hier also meine Top 6. In der Zusammenfassung darunter erfahrt ihr dann auch, für welchen Espresso sich die crema Leser entschieden haben.

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Meine Nummer 6: Otto

Röster: Dinzler

Als ich die Beschreibung der zu vergebenden Punkte durchlas, ging ich davon aus, dass keiner der sechs besten zu testenden Kaffees eines Jahres auch nur im Ansatz unter 6 Punkten (befriedigender Espresso) bekommen könnte. Besonders nicht, wenn man sich die lustigen Beschreibungen durchliest, wie 5 (reicht, um als Espresso durchzugehen), 4 (Ja, sieht aus wie Espresso) 3,5 (Ab hier wird’s weniger schön), 2 (Brauwasser), 1,5 (Ist das Kunst oder kann das weg). Weit gefehlt – dieser Espresso muss vom crema Team reingeschmuggelt worden sein, um sicherzustellen, dass die Bewertungsbögen wirklich nach einer Verkostung ausgefüllt werden. Im Durchschnitt hat der Espresso von mir 3 Punkte erhalten (hoffentlich verzeiht mir das meine Maschine). Es ist der am dunkelsten geröstete Testkaffee. Auf der Verpackung steht nichts zu der Herkunft der Bohnen. Für das Espresso Aroma und den Geschmack gab es von mir jeweils nur 1 Punkt (Plörre) – Sorry, der Espresso riecht verbrannt und ist wirklich nicht genießbar. Facettenreich ist anders. Ich hoffe einer meiner Nachbarn erbarmt sich. NEXT

autostrada

Meine Nummer 5: Autostrada

Röster: Martermühle

Der Kaffee kommt in einer aluminiumfreien Plastikverpackung, nur leider kann man die Tüte nicht wiederverschließen. Die Bohnen kommen aus Brasilien, Indien und Uganda. Bei dem Namen muss ich unweigerlich an Espresso denken, den man an italienischen Autobahnraststätten bekommt. Die Crema ist gut und tatsächlich ist das die volle Ladung Autostrada. Einen extra Punkt bekommt der Espresso von mir dafür, dass er mich damit zum Schmunzeln gebracht hat. Viva Italia! Wer auf dunkle italienische Röstungen steht und seinen sehr kräftigen bitteren Espresso gerne mit Zucker trinkt, der wird mit diesem Kaffee glücklich. Ich persönlich finde, ein guter Espresso muss ohne Zucker schmecken und darf nicht bitter sein. Nussig und schokoladig schmeckt er – aber es ist eben Zartbitterschokolade 😉 Als Mochaccino Basis oder in Kombination mit Sahne lässt sich dieser Kaffee nicht unterbuttern.

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Meine Nummer 4: Romeo

Röster: Caroma

Die Verpackung macht Bock sie zu öffnen. Hier sind Bohnen aus Indonesien, Kuba, Ruanda und Guatemala unterschiedlicher aufgelisteter Varietäten drin. Nur Hinstellen und Wiederverschließen lässt sich die Verpackung leider nicht. Der Name Romeo verspricht ebenfalls einen italienischen Espresso. Als ich die Tüte öffne und leicht glänzende Bohnen sehe, habe ich doch etwas Angst. Aber ich muss sagen, die Bohnen riechen gut, zaubern eine tolle feinporige Crema (beste Crema im Test) und der Espresso schmeckt gut. Dafür hat er von mir im Durchschnitt 7 Punkte erhalten (guter Espresso mit leichten Abzügen). Ich hätte mir eine etwas hellere Röstung gewünscht. Dann hätte ich vielleicht auch mehr von dem angegebenen fruchtigen Plaumenaroma geschmeckt. Karamellig ist der Kaffee definitiv und leichte Tabaknoten von den kubanischen Bohnen schmecke ich. Nach dem Espresso hat man definitiv die Augen auf. Wie wohl Julia von Caroma schmeckt?

bunaa-turmkaffeeMeine Nummer 3: Huehuetenango

Röster: Turm Kaffee

Den Kaffee aus Guatemala habe ich als Erstes getestet, weil ich Single Origin Kaffees mag und die schwarze Papier-Kaffeetüte einfach nach einer tyischen 3rd Wave Rösterei aussieht. Es gibt sehr detaillierte Angaben zum Kaffee und die Tüte ist wiederverschließbar. Die Bohnen sehen super aus, riechen mega-schokoladig, die Crema steht wie eine Eins und der Espresso schmeckt sehr vollmundig schokoladig. Schmeckt sowohl pur als auch in Kombination mit Milch. Auch wenn ich ein großer Schoki-Fan bin, fehlt mir bei dem Kaffee das gewisse Etwas, um der Espresso des Jahres zu werden.

bunaa-hansebrandMeine Nummer 2: Hansebrand

Röster: Union Kaffee

Ziemlich gleich auf mit Nr. 3 ist ein ausgewogener klassischer Espresso Blend aus Brasilien, Sumatra und Indien. Die Bohnen sind kräftig geröstet, geben eine gute Crema und man bekommt die volle Ladung Schokolade. Funktioniert pur als Espresso und hat genug Wumms, um es mit Milch aufzunehmen, wenn man dann doch auf eine Tasse Cappuccino oder ein Glas Latte Macchiato Lust hat. Abzugspunkte gibt es von mir für die nicht wiederverschließbare Verpackung und keine Angabe zu den Arabica Varietäten, Farmen oder Kaffeeaufbereitung.

bunaa-elparaisoMeine Nummer 1: El Paraiso

Röster: Hoppenworth & Ploch

Tatsächlich der zweite Kaffee in meinem Test. Entsprechend traurig war ich, dass die vier weiteren Testkaffees meine Geschmacksknospen nicht mehr kitzelten. Dieser Kaffee hat wirklich vieles: eine wiederverschließbare Verpackung mit Aromaventil und jeder Menge Angaben zum Kaffee. Die Bohnen sind die am hellsten gerösteten von allen im Test, riechen sehr interessant und der Espresso hält, was die Beschreibung in der crema verspricht; er ist eine Geschmacksbombe mit vielen unterschiedlichen Aromen wie Erdbeere, Cassis und Vanille. Von dem Kaffee trinke ich gerne auch einen Zweiten und Dritten. Mit großem Abstand ist das meine Nummer 1.

The winner is …

Wer das crema Magazin nicht im Abo hat, fragt sich jetzt sicherlich, welcher Espresso tatsächlich gewonnen hat. Darauf war ich nun auch einige Wochen gespannt. Dann endlich landet das Magazin in meinem Postkasten und ich kann diesen letzten Absatz schreiben. Ich schlage also vor lauter Neugier Seite 26/27 auf, um zu schauen, welcher Kaffee gewonnen hat und vor allem wie meine Nummer 6 abgeschnitten hat, und war mehr als überrascht. Die Platzierungen sind fast in umgekehrter Reihenfolge!!! Gewonnen hat Autostrada (meine Nr. 5), gefolgt von Otto (meiner Nr. 6), auf Platz 3 schafft es Romeo (meiner Nr. 4), dann Huehuetenango (meiner Nr. 3), auf dem vorletzten Platz ist Hansebrand (meiner Nr. 2) und auf dem letzten Platz ist mein Gewinnerkaffee El Paraiso.

Wie kann das denn sein? Zugegeben, im Vergleich zu meinen sehr unterschiedlichen Bewertungen liegen alle Kaffees in der crema mit durchschnittlich 7,05 – 7,52 Punkten recht Nahe beieinander, aber rein qualitativ gibt es deutliche Unterschiede. Während bei Hoppenworth & Ploch ein Team um Kilian Seger, den Deutschen Röstmeister von 2018 Kaffee röstet, röstet Dinzler eher auf eine größere Masse. Tja, offensichtlich treffen solche Röstereien eher den Geschmack der crema-Leser als prämierte Spezialitätenkaffee-Röster.

Mein Fazit: War interessant, einmal mitgetestet zu haben. Aber für den Preis und dafür, dass ich schon deutlich bessere Kaffees bei diversen Röstereien in Deutschland getrunken habe, würde ich nicht noch einmal teilnehmen.

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